Full-House mit Hund

Eine Familie mit 3 Kindern – ein Kinderspiel.

Autor: HerzKoenigin (Seite 2 von 6)

Sommerferien!

Der letzte Schultag vor den Sommerferien. Welches Schulkind freut sich nicht darauf? Jaja, der ein oder andere Lehrer natürlich auch 😉

Und schon ist das erste Jahr Grundschule vorbei. Die Zeit rennt. Im Moment schneller, als je zuvor.

Nun liegen sechs Wochen freie Zeit vor uns. Zeit, um ein wenig zur Ruhe zu kommen, vielleicht ein wenig Kraft aufzutanken. Nicht jeden Tag funktionieren zu müssen, sondern Dinge auch mal langsam angehen zu lassen. Es drängt uns ja nichts. Kein Wecker, kein Schulbus. Nur jeden Freitag die Termine in der Tagesklinik.
Unser Papa hat noch einiges aufzuarbeiten. Er war insgesamt fast zwei Monate mit unserem Maimädchen im Krankenhaus. Das macht sich auf dem Schreibtisch bemerkbar.

Letzten Mittwoch hatte ich ein Gespräch mit der Stationspsychologin. Das Erste nach über vier Monaten nach der Diagnosestellung. Lange dachte ich, ich bräuchte so etwas nicht, doch die letzten zwei Wochen haben mir gezeigt, dass es bitter nötig ist, mir weitere Hilfe zu holen. Zu sehr hat uns Herr Wilms aus unserem bisherigen Leben gerückt. Alle Grundpfeiler, auf denen das Leben bisher stand sind ins Wanken geraten und ich hatte das Gefühl, dem Ganzen nicht mehr gewachsen zu sein. Durch das Gespräch ist einiges klarer geworden. Ich nehme Hilfen dankbar an. Ohne geht es nicht, dafür ist unser Weg zu schwer und zu weit.

Sechs Wochen Sommerferien liegen vor uns. Zeit, die wir gemeinsam intensiv als Familie genießen wollen. Zeit, die ich brauche, um meine Akkus wieder zu füllen. Zeit, um schöne Momente zu erleben.

Wir haben schon eine kleine Auflistung gemacht, mit schönen Dingen, die unbedingt erledigt werden sollten. Da wird bestimmt noch einiges dazu kommen. Ich freue mich darauf!

 

Fünfsamkeit

So schön! Endlich sind die Beiden wieder da!

Wochenende in Bildern 15. / 16. Juli – Krankenhaus zum Dritten

Da das Maimädchen und der Papa immer noch oder besser gesagt schon wieder im Krankenhaus sind, gibt es am Samstag ein kleines Frühstück zu dritt. Das Vollmondbaby darf sich ein Brettchen von den Mädels leihen.

Nach diversen Aufräum-, Wäsche- und Packarbeiten schnappe ich mir das Vollmondbaby und den Hund und verfolge den Plan: Mittagsschlaf im Kinderwagen.
Der Plan geht auf!

Weitere Hausarbeit steht an, das Mittagessen wird vorbereitet. Nachdem es die ganze Woche über sehr schnelle Küche gab, freue ich mich umso mehr über eine große Portion frisch angebratener Pilze.
Nachdem ich zwei Kinder ohne Gläschen ans Essen bekommen habe, muss nun der Umstände halber das dritte Kind dran glauben. Es schmeckt ihm aber offensichtlich ganz gut und er wird satt und das ist ja doch das Wichtigste.

Während ich noch schnell die Küche wieder aufräume, wird das Vollmondbaby von der Großen in die Kunst des Barbie spielens eingeführt.

Dann geht es auf ins Krankenhaus.
Das Seehundbecken wird langsam langweilig. Wir lassen es links (also richtig ist eher rechts…) liegen und kämpfen uns durch einen Pulk von Ruderern und Zuschauern in Richtung Kieler Altstadt.
Dort steht eine Bühne vom Klassikradio des NDR. Die Große ist total fasziniert. Sie freut sich sehr darüber, so etwas auch mal live zu sehen.

Auf der Rückfahrt aus dem Krankenhaus flitzen noch ein paar letzte Ruderer an uns vorbei nach Hause.
Auf der Förde fand heute das Event Rudern gegen Krebs statt. Merkwürdiges Gefühl, als Betroffene durch die Menschenmenge zu laufen…

Zu Hause geht es auf zur üblichen Hunde-Abendrunde. Die Sonne strahlt nochmal, das Baby schläft ein. (Um dann wieder aufzuwachen und bis halb zwölf rumzuturnen…)

Bei einem Blick zurück bemerke ich auf einmal einen Regenbogen. Merkwürdiges Schauspiel bei fehlendem Regen! Könnt ihr ihn auch erkennen?

Das Sonntagsfrühstück findet nun zum dritten Mal ohne selbstgemachte Brötchen, aber dafür mit Obstteller statt.

Die Große quizt ein bisschen mit Antolin. Endlich hat sie einen Zugang bekommen und kann das Wissen über die vielen Bücher, die sie liest, hier anwenden.

Heute machen wir zu fünft einen Ausflug zum Kleinen Kiel.

Das Maimädchen hat die Fotografie für sich entdeckt. Finger inklusive 😉
Aber dem Maimädchen ist schnell zu kalt. Wir drehen um und marschieren zurück ins Krankenhaus.

Dort spielen wir noch ein bisschen.

Ja, auch das scharf stellen funktioniert noch nicht so gut…

Abends folgt das mittlerweile übliche Gespräch mit dem Nachbarn.

Der, der während unseres Tübingen-Aufenthaltes auf unseren Hund aufgepasst hat. Seine Frau ist auch seit zwei Wochen im Krankenhaus und wir sprechen jeden Abend miteinander und tauschen uns über unsere Lieben aus.

Das war unser Wochenende. Hoffentlich erstmal das letzte mit Krankenhausbildern.

Weitere Wochenenden in Bildern gibt es hier.

Erfolgreich!

Die blöden Katheter sind raus! Endlich!

Das Maimädchen hat die kleine OP gut überstanden. Sie war heute Morgen gleich als Erstes dran und als ich heute Mittag in die Klinik kam, war sie gerade wieder auf dem Zimmer. Noch ein wenig schachmatt und meckerig von der Narkose, aber auch schon wieder hungrig. Das ist ein gutes Zeichen.

Die Katheter waren ziemlich stark von einem Biofilm besetzt, was uns weiter hoffen lässt, dass die Ursache des Fiebers nun endgültig gefunden und entfernt ist.
Am frühen Nachmittag waren wir dann alle so erschöpft, dass wir gemeinsam einen kleinen Mittagsschlaf abgehalten haben. Das hatten wir tatsächlich schon lange nicht mehr. Die Reinigungskraft, die zwischendurch ins Zimmer schaute hatte wohl Mitleid mit uns und hat ihre Arbeit auf später verschoben.

Die Chemotherapie, die ja eigentlich immer freitags läuft, wurde wegen der ganzen Strapazen von heute auf Montag verschoben, sodass sich unser Maimädchen noch ein wenig erholen kann.

Die Entlassung rückt in greifbare Nähe. Wir hoffen auf ein symptomfreies Wochenende!

Spontane Terminänderungen

Die Anfrage in der Chirurgie war erfolgreich. Am Freitag kommen die Katheter endlich raus!

So froh ich über diese Terminverschiebung bin, genauso dankbar bin ich meinen lieben Menschen, dass sie einfach schnell zur Stelle sind.
Heute Morgen komme ich ins Krankenhaus und erfahre, dass wir spontan einen Termin für das OP-Aufklärungsgespräch um zwölf haben. Man braucht kein Rechengenie sein, um festzustellen, dass ich dann schlecht zu Hause sein kann, wenn um halb eins unser Schulkind vor der Tür steht!  Ein kurzer Anruf bei der Herzensfreundin und es ist alles geregelt. <3

Heute hatten wir wieder eine skurrile Situation im Aufklärungsgespräch. Manchmal komme ich mir vor, als wäre irgendwo eine Kamera versteckt.
Bei dem Eingriff am Freitag sollen die Doppel-J-Katheter entfernt werden. Die Ärztin sitzt uns gegenüber und fragt: “Liegen die Katheter denn noch?” Sie hat unsere fragenden Gesichter dann wohl doch bemerkt und meinte, diese Frage müsse sie stellen, um sicher zu gehen… Wie bitte?! Nee, ich komme gerne zu Katheter-Entfernungs-Aufklärungs-Gesprächen, obwohl ich gar keine Katheter liegen habe…
Das ist mindestens genauso gut, wie der Anästhesist, der zum Abschluss des MRT-Narkose-Aufklärungsgesprächs die Venen des Maimädchens begutachten wollte, um zu schauen, wo sie denn vielleicht den Zugang legen könnten, nachdem wir ihm lang und breit erklärt hatten, dass unser Kind in der letzten OP einen zentralen Venenkatheter gelegt bekommen hat.
Manchmal hat man dann doch ein etwas mulmiges Gefühl…

 

 

Abwarten – mal wieder

Nachdem ich heute Vormittag dank toller Hilfe etwas zu Hause geschafft habe und auch ein wenig runterkommen konnte, habe ich unsere Große heute Mittag von der Schule abgeholt und wir sind direkt ins Krankenhaus gefahren.

Seit ein paar Tagen gehen wir nachmittags immer spazieren. Das Maimädchen wird dann von den Schläuchen abgestöpselt und hat Bewegungsfreiheit. Das tut uns allen gut.
Als wir vorhin zu Hause los fuhren, fing es in Strömen an zu regnen und ich sah schon schwarz für unseren Spaziergang. Trotz leichtem Nieselregen wagten wir uns dann aber doch raus. Es klärte auf und wir konnten die geliebten Seehunde noch besuchen. Da wir heute recht früh dran waren, bekamen wir sogar die Seehundfütterung mit. Ein Ereignis für unsere Mädels!

Zurück im Krankenhaus machte sich dann der fehlende Mittagsschlaf bemerkbar und der Abschied war dementsprechend tränenreich.

Von den Urologen gibt es nichts Neues, wir gehen davon aus, dass die Katheter noch eine Woche liegen bleiben.
Der Hb-Wert des Maimädchens ist auf 7,2 gesunken, sodass es heute Abend nochmal ein Erythrozytenkonzentrat gab. Das ist unter Chemotherapie nichts ungewöhnliches. Die Chemotherapeutika können nicht zwischen guten und schlechten Zellen unterscheiden und da die Zellen des blutbildenden Systems zu den sich schnell erneuernden Zellen zählt, gibt es damit häufig Probleme.

So und jetzt geht es ins Bett. Jeden Abend nehme ich mir vor, eher schlafen zu gehen und dann wird es doch erst elf. Aber so fällt das Einschlafen leichter. Wenn man wach im Bett liegt, dreht sich das Gedankenkarussell zu sehr.

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Abschiedsbrief an den Häuptling

Lieber Häuptling,

vor 20 Jahren haben wir mit dem Indianerstamm unseren Abschied von der Schule gefeiert. Vor ein paar Wochen hatten wir das Nachtreffen unseres Abi-Jahrgangs und ich erfuhr hinterher, dass Sie nicht dabei sein konnten, da auch sie gerade dabei sind, sich gegen einen dieser verdammten Krieger zu wehren. Unser Krieger heißt Herr Wilms, wie Sie Ihren genannt haben, weiß ich nicht. Wir stecken noch mitten drin, doch Sie haben ihren Kampf gestern verloren.

Lieber Häuptling, auch wenn ich persönlich nicht mehr die Möglichkeit dazu habe, möchte ich mich bei Ihnen bedanken.
Viele Lehrer sind prägend für das weitere Leben ihrer Schüler. So auch Sie. In der neunten Klasse wurden Sie unser Mathelehrer. Mit Mathelehrern hatte ich wohl immer Glück. Nie bekam ich das Gefühl vermittelt, dass Mädchen zu dumm für Mathe sind. Ich hatte immer meine Freude daran, auch wenn ich vielleicht nicht die beste Schülerin war. Den Mathe-Leistungskurs habe ich damals nur gewählt, weil Sie der LK-Lehrer waren. Weil ich wusste, wenn Sie etwas erklären, verstehe ich das.
In der Oberstufe wurden Sie unser Jahrgangsstufenleiter. Da Sie noch recht jung waren, waren wir Ihr erster Abi-Jahrgang. Ich finde, Sie haben das damals toll gemeistert. Es herrschte ein tolles Klima in der Jahrgangsstufe. Das merkt man auch jetzt noch.
Als ich heute Morgen die Nachricht über Ihren verlorenen Kampf in unserer Abi-Gruppe las, war ich tief betroffen. Immer wieder kommen neue Kommentare dazu. Wir denken an Sie.
Es gibt so viele Erinnerungen an die Schulzeit. Erinnerungen, die ich natürlich auch mit Ihnen in Verbindung bringe.
Zum Beispiel daran, wie wir Sie in der Nacht zu Ihrem Geburtstag besucht haben und Sie mit einem Ständchen überrascht haben. Wir wurden herein gebeten und es gab eine spontane kleine Sit-in-Party.
Diverse Stufen- oder Kursfahrten, bei denen Sie natürlich als Aufsichtsperson dabei waren, aber doch auch immer mit gefeiert haben.
Auf dem Abiball haben Sie morgens mit uns auf den Tischen getanzt.
Vielen Dank, dass Sie dazu beigetragen haben, unsere Schulzeit mit so schönen Erinnerungen zu füllen.

Ich habe gehört, dass Sie nach unserer Schulzeit geheiratet haben und Kinder bekommen haben. Meine Gedanken sind bei Ihren Kindern und bei Ihrer Frau. Ich möchte ihnen einen Teil meiner Kraft schicken, die ich hier von so vielen lieben Menschen in meiner Umgebung täglich bekomme.

Lieber Häuptling, danke für’s da gewesen sein! Sie haben geholfen, viele Menschen zu dem zu machen, was sie jetzt sind!

Hundesehnsucht

Das Fieber bleibt dank der intravenösen Antibiotikagabe unten! Dem Maimädchen geht es den Umständen entsprechend gut.

Heute wurde nochmal eine Sonographie gemacht, um sicherzustellen, dass der Abfluss des Harns aus der Niere in die Blase gewährleistet ist und es nicht zu einem Rückstau kommt. Alles ok.

Der Oberarzt sagte in der Visite, dass er in der Urologie anfragt, ob die Zystoskopie zur Entfernung der Doppel-J-Schienen vorverlegt werden kann. Der offizielle Termin ist der 18. 7. Die Kinderurologin ist noch im Urlaub, daher ist eine Vorverlegung eher unwahrscheinlich.

Dann hieß es heute Nachmittag, dass der Hb-Wert etwas niedrig sei. Eventuell gibt es nochmal Blut. Das zeigen die nächsten Tage.

Das Maimädchen ist knartschig. Sie vermisst ihre Schwester und unseren Hund. Die Schwester kommt morgen Nachmittag mit. Der Hund wird wohl eher schwierig…

 

Wochenende in Bildern 08. / 09. Juli – Und zurück ins Krankenhaus

Am Samstag stellten wir uns keinen Wecker. Die Woche war so anstrengend. Irgendwann würden die Kinder uns schon wecken. Das war auch so. Ich hatte vergessen, die Waffeln, die ich am Vorabend noch genascht hatte, wegzuräumen und so saß das Maimädchen irgendwann mümmelnd mitten in unserem Bett.

Die Große war heute auf einen Kindergeburtstag am Strand eingeladen und sollte um viertel nach zehn in Kiel am Hauptbahnhof sein, um mit der Fähre zu fahren. Was für ein schöner Tag für sie!

Wir entschieden uns dazu, dass der Papa sie bringt und auf einem Weg den Bulli in die Werkstatt fährt, denn der hatte Freitag bei der Fahrt in die Apotheke irgendwie Mucken gemacht.

So blieb ich dann mit den beiden Kleinen hier allein. Das stellte sich leider als nicht ganz so günstig heraus, denn das Maimädchen hatte noch ziemlichen Papa-Bedarf. Kein Anziehen, kein Zähneputzen, kein Spazierengehen… alles doof! Irgendwann wurde das Vollmondbaby so müde und knöterig, dass ich es mir auf den Rücken packte, damit es schlafen konnte. Auch das war nicht ok, denn nun konnte sie ihren Bruder nicht mehr richtig sehen. Das alles gipfelte dann darin, dass sie im Schlafanzug im Flur saß, nach Papa schrie und sich mit Händen und Füßen wehrte, wenn ich ihr näher kam. Ich verzweifelte. Es ist so ein furchtbares Gefühl, diesem kleinen, bebenden Wesen nicht helfen zu können. Nach einer knappen Stunde voller weinen und Geschrei stand sie auf und legte sich in ihr Bett. Keine fünf Minuten später war sie eingeschlafen. Ich schnappte mir das Telefon um meinen Kummer bei einer der Herzensfreundinnen los zu werden.

Es tut so gut, zu reden! Irgendwann wachten Vollmondbaby und Maimädchen wieder auf und wir waren alle wieder etwas besser drauf.

Als der Papa dann nach Hause kam, merkten wir, dass die Temperatur beim Maimädchen wieder anstieg. Wir näherten uns den 38°. Eigentlich wollte ich mit dem Maimädchen zusammen die Große Schwester abholen und mit den beiden noch schnell einkaufen. Das Maimädchen hat auch ihre Schwester schmerzlich vermisst und wollte nun unbedingt mit, um sie vom Bahnhof abzuholen. Wir entschieden uns, getrennt zu fahren, ich mit Baby zum Einkaufen, der Papa mit Maimädchen zum Bahnhof, um ihr nicht noch mehr zuzumuten. Wiedersehensfreude bei den Schwestern, die Große hatte viel zu erzählen.

Nach einem schnellen Abendessen ging es dann auch schon ins Bett. Das Maimädchen war müde, die Temperatur überschritt langsam die 38°-Marke. Wir hofften so sehr, dass die Temperatur durch den Schlaf wieder runter geht und wir nicht bei 38,5 in der Klinik anrufen müssen.

Gegen neun ging der Papa mit dem Hund, um dann selbst ins Bett zu gehen. Ich saß noch am Computer und hörte die Kinderzimmertür aufgehen. Taps, Taps, Taps, stand sie vor mir. Wir gingen zurück in ihr Bett und ich zückte nochmal das Thermometer: 38,6°. Ich legte mich zu ihr und wartete darauf, dass Mann und Hund zurückkommen. Wir hofften irgendwie darauf, dass wir wenigstens die Nacht noch hier verbringen durften. Die Schwester auf der Station erklärte uns, dass die diensthabende Ärztin uns zurückrufen werde, sobald sie Zeit hätte. Ich schlief irgendwann vor lauter Erschöpfung der letzten Woche neben dem Maimädchen ein. Irgendwann kam mein Mann mit dem Vollmandbaby auf dem Arm rein. Ich wechselte das Bett, um das Baby zu stillen und schlief wieder ein. Kurze Zeit später tapste das Maimädchen wieder zu mir. Ich schlief mit beiden Kindern im Arm wieder ein und hörte das Telefon nur weit weg klingeln. Sie wollten das Maimädchen wieder auf der Station haben, um ihr erneut ein Antibiotikum i.v. geben zu können. Ich registrierte das schon fast gar nicht mehr, so geschafft war ich von allem. Mein Mann packte routiniert die Tasche für die beiden, rief den Mann der Herzensfreundin an und bat darum, in die Klinik gefahren zu werden. Ich war dazu nicht mehr im Stande und hätte die Große ja auch schlecht mitten in der Nacht allein lassen können.

Um elf in der Nacht war ich wieder allein mit zwei Kindern zu Hause.

Das hätten wir uns so wohl niemals vorgestellt an dem Abend, heute vor 22 Jahren, auf der Geburtstagsparty einer Freundin…

Der Sonntag startet mal wieder ohne unser Eier-und-Brötchen-Frühstück und ich kämpfe mich durch die Wäscheberge der letzten Woche, während Waschmaschine und Wäschetrockner kontinuierlich Nachschub produzieren.

Zum Mittagsschlaf geht es mit Hund und Kindern nach draußen, damit wir drinnen die Bahn frei haben, um noch ein paar Sachen für’s Krankenhaus zu packen. Der Plan funktioniert, das Baby schläft.

Im Krankenhaus angekommen, dürfen wir heute ins Hase-im Tigerentenshirt-Zimmer.

Die Antibiose wirkt, das Fieber ist gesunken, wir dürfen raus! Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Auf geht es ans Wasser. Seehunde bestaunen, Pommes und Eis essen.

Als wir nach Hause wollen bekommt das Maimädchen nochmal einen großen Anflug Heimweh. Sie möchte nicht im Krankenhaus bleiben und verkriecht sich in meinen Armen. Mit ein paar kleinen Tricks einer wunderbaren Schwester auf der Station schaffen wir den Abschied dann doch ohne Tränen.

Am Abend tanke ich nochmal ein wenig Kraft in der Abendsonne.

Mal schauen, was die Ärzte morgen bei der Visite erzählen. Vielleicht wird der Termin zur Entfernung der Doppel-J-Schienen ja doch noch nach vorne verlegt, denn mittlerweile gehen alle davon aus, dass es damit zu tun hat.

Ach ja, mehr Wochenenden mit mehr Bildern gibt es hier.

 

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Entlassung mit Hindernissen – Bericht einer kleinen Odyssee

Nachdem der Tag gestern auch fieberlos verlief bekamen wir heute Vormittag das OK für die Heimfahrt.

Um das Fieber nicht wieder aufkommen zu lassen und als notwendige Infektionsprophylaxe für die Doppel-J-Schienen (das sind Katheter, die während der OP von der Niere zur Blase gelegt wurden) muss weiterhin ein Antibiotikum genommen werden, mit dem wir heute Abend beginnen sollten. Da das Maimädchen ja mittlerweile schon so einiges an Wirkstoffen bekommen hat, die teilweise nicht gewirkt haben, ist man zu einem Wirkstoff gewechselt, der nicht so häufig eingesetzt wird und der nur als Tablette verfügbar ist. Nun ist eine Tabletteneinnahme bei Kindern häufig nicht ganz unproblematisch. Selbst wenn es von der Größe der Tablette her irgendwie mit der Einnahme klappen würde, gibt es den Wirkstoff oft nicht in der passenden Dosierung, sodass es notwendig ist, eine entsprechend konzentrierte Lösung herzustellen. Das kommt vor, für diese Fälle gibt es die öffentlichen Apotheken. Neben der Abgabe von Fertigarzneimitteln gibt es dort die Möglichkeit, sogenannte Rezepturen (individuell angefertigte Arzneimittel) herzustellen. Das ist Pflicht für jede Apotheke. Ich kenne mich da ein bisschen aus, bin ich doch vom Fach…

Kurz bevor wir unsere Zelte in der Klinik abbrachen, bekamen wir nun das Rezept. Mein Mann rief kurzerhand in der Apotheke an, in der wir vor kurzem diesen Wirkstoff bereits in anderer Konzentration als hergestellte Lösung bekommen hatten. Doch dort sagte man ihm (heute Mittag um eins!), dass es nicht mehr möglich sei, diese Rezeptur noch herzustellen, da zu viel zu tun sei und man es nicht mehr schaffe. Auf den Einwand meines Mannes, dass es sich um eine ziemlich wichtige Sache handele (ich bekam nur am Rande die Worte Chemotherapie, dringend, Fieber) mit, nannte man ihm einen andere Apotheke in Kiel, bei der wir es versuchen sollten. Vielleicht hätten die Zeit. Auch den Hinweis, das nächste Mal doch einen Tag vorher anzurufen und die Rezeptur zu bestellen gab man ihm noch mit auf den Weg. Danke!

Mein Mann entschied sich dazu, unsere “Stammapotheke” vor Ort anzurufen, die wir über unseren Fall informiert hatten und bei der wir nun bisher unsere Arzneimittel bezogen haben. Es ist einfach gut, wenn ein so spezieller Fall auch in der Apotheke bekannt ist.
Nun wusste ich, dass diese Apotheke die Herstellung einer Lösung mit diesem Wirkstoff bereits einmal abgelehnt hat (aus mir unbekannten Gründen, die Klinik hat mit der Apotheke telefoniert), was bei mir natürlich bereits sehr schlecht ankam. Trotz meiner Einwände wollte er es dort nochmal versuchen. Sie wollten sich auch kümmern und wir ließen ihnen das Rezept per Fax zukommen. Leider bekamen wir dann auch hier eine Absage. Man hätte den Wirkstoff in entsprechender Form nicht da, könne nichts anderes bekommen, blablabla. Ich war tatsächlich ein wenig baff.

Liebe Vor-Ort-Apotheken, wie könnt ihr so etwas bringen? Gibt es denn nicht schon genug negative Schlagzeilen? Wie erkläre ich dem Kunden, dass er nicht beim Versandhandel bestellen soll, wenn ihr bei der kleinsten Herausforderung kapituliert? Arzneimittelverpackungen abgeben ist nicht schwer und eine Rezeptur herstellen auch nicht. Wie war das mit der schnellen Hilfe vor Ort? Wir haben sie jedenfalls nicht bekommen.

Um das Ganze einmal zu verdeutlichen: Es geht hier nicht darum, eine Creme mit zig verschiedenen Inhaltsstoffen oder eine besonders komplizierte Lösung mit diversen Hilfsstoffen herzustellen. Es geht hier darum, ein paar Tabletten in Wasser aufzulösen! Man benötigt dazu die Tablettenpackung (der Wirkstoff wird von verschiedenen Firmen hergestellt) und Lösungsmittel (im einfachsten Fall gereinigtes Wasser)! Unglaublich!

Um uns weitere Telefonate dieser Art zu ersparen habe ich dann einfach in “meiner” ehemaligen Apotheke angerufen, in der ich vor und teilweise auch während der Elternzeit gearbeitet habe. Dort wurden die Tabletten schnell noch zu heute Nachmittag bestellt und unser Papa durfte dann heute Abend vorbeikommen, um die Lösung abzuholen. 100 Kilometer Fahrt, um an das benötigte Antibiotikum zu kommen! Ich bin ein wenig peinlich berührt von der Vorstellung, die sich meine “Kollegen” da geleistet haben!

Immerhin hat unser Maimädchen nun heute Abend ihre Medizin bekommen.
Heute Nachmittag ging es ihr gut. Sie hat sich wahnsinnig gefreut, ihre große Schwester und unseren Hund wieder zu sehen.

Ein Antrag für unsere Reha ist in Arbeit, wenn wir Glück haben, geht es im nächsten Jahr für vier Wochen nach Sylt! Es wäre so schön, wenn das klappt!

Außerdem haben wir endlich einen Termin zur Entfernung der Doppel-J-Schienen bekommen. Wir gehen alle davon aus, dass diese nicht ganz unbeteiligt an dem wiederkehrenden Fieber sind.

Also alles in allem gute Nachrichten. So kann das Wochenende kommen!

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