Full-House mit Hund

Eine Familie mit 3 Kindern – ein Kinderspiel.

Entlassung mit Hindernissen – Bericht einer kleinen Odyssee

Nachdem der Tag gestern auch fieberlos verlief bekamen wir heute Vormittag das OK für die Heimfahrt.

Um das Fieber nicht wieder aufkommen zu lassen und als notwendige Infektionsprophylaxe für die Doppel-J-Schienen (das sind Katheter, die während der OP von der Niere zur Blase gelegt wurden) muss weiterhin ein Antibiotikum genommen werden, mit dem wir heute Abend beginnen sollten. Da das Maimädchen ja mittlerweile schon so einiges an Wirkstoffen bekommen hat, die teilweise nicht gewirkt haben, ist man zu einem Wirkstoff gewechselt, der nicht so häufig eingesetzt wird und der nur als Tablette verfügbar ist. Nun ist eine Tabletteneinnahme bei Kindern häufig nicht ganz unproblematisch. Selbst wenn es von der Größe der Tablette her irgendwie mit der Einnahme klappen würde, gibt es den Wirkstoff oft nicht in der passenden Dosierung, sodass es notwendig ist, eine entsprechend konzentrierte Lösung herzustellen. Das kommt vor, für diese Fälle gibt es die öffentlichen Apotheken. Neben der Abgabe von Fertigarzneimitteln gibt es dort die Möglichkeit, sogenannte Rezepturen (individuell angefertigte Arzneimittel) herzustellen. Das ist Pflicht für jede Apotheke. Ich kenne mich da ein bisschen aus, bin ich doch vom Fach…

Kurz bevor wir unsere Zelte in der Klinik abbrachen, bekamen wir nun das Rezept. Mein Mann rief kurzerhand in der Apotheke an, in der wir vor kurzem diesen Wirkstoff bereits in anderer Konzentration als hergestellte Lösung bekommen hatten. Doch dort sagte man ihm (heute Mittag um eins!), dass es nicht mehr möglich sei, diese Rezeptur noch herzustellen, da zu viel zu tun sei und man es nicht mehr schaffe. Auf den Einwand meines Mannes, dass es sich um eine ziemlich wichtige Sache handele (ich bekam nur am Rande die Worte Chemotherapie, dringend, Fieber) mit, nannte man ihm einen andere Apotheke in Kiel, bei der wir es versuchen sollten. Vielleicht hätten die Zeit. Auch den Hinweis, das nächste Mal doch einen Tag vorher anzurufen und die Rezeptur zu bestellen gab man ihm noch mit auf den Weg. Danke!

Mein Mann entschied sich dazu, unsere “Stammapotheke” vor Ort anzurufen, die wir über unseren Fall informiert hatten und bei der wir nun bisher unsere Arzneimittel bezogen haben. Es ist einfach gut, wenn ein so spezieller Fall auch in der Apotheke bekannt ist.
Nun wusste ich, dass diese Apotheke die Herstellung einer Lösung mit diesem Wirkstoff bereits einmal abgelehnt hat (aus mir unbekannten Gründen, die Klinik hat mit der Apotheke telefoniert), was bei mir natürlich bereits sehr schlecht ankam. Trotz meiner Einwände wollte er es dort nochmal versuchen. Sie wollten sich auch kümmern und wir ließen ihnen das Rezept per Fax zukommen. Leider bekamen wir dann auch hier eine Absage. Man hätte den Wirkstoff in entsprechender Form nicht da, könne nichts anderes bekommen, blablabla. Ich war tatsächlich ein wenig baff.

Liebe Vor-Ort-Apotheken, wie könnt ihr so etwas bringen? Gibt es denn nicht schon genug negative Schlagzeilen? Wie erkläre ich dem Kunden, dass er nicht beim Versandhandel bestellen soll, wenn ihr bei der kleinsten Herausforderung kapituliert? Arzneimittelverpackungen abgeben ist nicht schwer und eine Rezeptur herstellen auch nicht. Wie war das mit der schnellen Hilfe vor Ort? Wir haben sie jedenfalls nicht bekommen.

Um das Ganze einmal zu verdeutlichen: Es geht hier nicht darum, eine Creme mit zig verschiedenen Inhaltsstoffen oder eine besonders komplizierte Lösung mit diversen Hilfsstoffen herzustellen. Es geht hier darum, ein paar Tabletten in Wasser aufzulösen! Man benötigt dazu die Tablettenpackung (der Wirkstoff wird von verschiedenen Firmen hergestellt) und Lösungsmittel (im einfachsten Fall gereinigtes Wasser)! Unglaublich!

Um uns weitere Telefonate dieser Art zu ersparen habe ich dann einfach in “meiner” ehemaligen Apotheke angerufen, in der ich vor und teilweise auch während der Elternzeit gearbeitet habe. Dort wurden die Tabletten schnell noch zu heute Nachmittag bestellt und unser Papa durfte dann heute Abend vorbeikommen, um die Lösung abzuholen. 100 Kilometer Fahrt, um an das benötigte Antibiotikum zu kommen! Ich bin ein wenig peinlich berührt von der Vorstellung, die sich meine “Kollegen” da geleistet haben!

Immerhin hat unser Maimädchen nun heute Abend ihre Medizin bekommen.
Heute Nachmittag ging es ihr gut. Sie hat sich wahnsinnig gefreut, ihre große Schwester und unseren Hund wieder zu sehen.

Ein Antrag für unsere Reha ist in Arbeit, wenn wir Glück haben, geht es im nächsten Jahr für vier Wochen nach Sylt! Es wäre so schön, wenn das klappt!

Außerdem haben wir endlich einen Termin zur Entfernung der Doppel-J-Schienen bekommen. Wir gehen alle davon aus, dass diese nicht ganz unbeteiligt an dem wiederkehrenden Fieber sind.

Also alles in allem gute Nachrichten. So kann das Wochenende kommen!

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  1. Mirja

    Unfassbar und beschämend!!!! Sowas kann und darf nicht sein!
    Gut dass wenigstens deine Kollegen helfen konnten! Sowas aber auch!!!
    Drücke die weiterhin die Daumen!!!
    Wieder eine Hürde umschifft!! 👏

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